Jan Kopp: Lichten

Projekt

Die Kantorei Bethel hat zum zweiten Mal einen Kompositionsauftrag für ein Stück in einer zeitgenössischen Tonssprache für die Besetzung (Laien-)Chor, Bass-Solo und Orgel vergeben. Der Auftrag ging dieses Mal an den Stuttgarter Komponisten Jan Kopp, die Uraufführung des Stücks "Lichten" ist am Sonntag, 30. März um 17:00 Uhr in der Zionskirche zu hören. Ausführende sind Martin Wistinghausen (Bass), Bernd Wilden (Orgel) und ein eigens für dieses Projekt gebildeter Chor für Neues. Das Konzertprogramm wird mit Musik von Martin Wistinghausen und des färöischen Komponisten Kári Baek ergänzt.
 
Als Textgrundlage wählte Jan Kopp Auszüge aus dem Langgedicht „kommen sehen“ der Lyrikerin Anja Utler. In diesem Gedicht entwickelt sie das dystopische Bild einer Welt, in der „drei Jahre Sommer“ herrscht und so alles Leben verdorrt. Eine nicht näher bestimmte Prophetenfigur beschreibt diese Welt, doch nicht vorwurfsvoll, sondern eher distanziert. Im Zentrum der Betrachtung stehen nicht moralische oder gar meteorologische Fragen, sondern die Frage des existenziellen Umgangs der Menschen mit dieser Katastrophe, die sich abzeichnete und deren Folgen noch nicht gänzlich abzusehen sind.
 
Das Libretto der Komposition verbindet das Gedicht Anja Utlers mit Versen aus dem biblischen Buch des Propheten Jeremia, das auch die Erfahrung einer langanhaltenden Dürre und die Wirkung auf die Menschen thematisiert.
 
Die Musik Jan Kopps nimmt das Motiv der Dürre auf, und so entsteht eine zuweilen verdorrte Musik, die jedoch nicht ohne Hoffnung bleibt. Der Bass-Solist steht als Verkörperung der Prophetenfigur dem Chor, der verschiedene Rollen übernimmt, gegenüber.
 
Durch die Figur des Propheten wird zudem die Frage nach der Wahrheit der Prophetie und der Legitimation des Propheten gestellt. Während Jeremia sie in der biblischen Überlieferung direkt von einer göttlichen Instanz erhält, fehlt diese in der quasi atheistischen Dystopie Anja Utlers, und so sind wahre und falsche Propheten kaum zu unterscheiden. Das Volk erlebt die Konsequenzen einer „metaphysischen Heimatlosigkeit“ (Jan Kopp).
 
Die erste Komposition, die im Rahmen des Projektes Neue Musik für Laienchöre in Auftrag gegeben wurde („Sei nun wieder zufrieden“ von Martin Wistinghausen), wurde im Januar 2024 in der Zionskirche uraufgeführt und ist mittlerweile im Verlag Merseburger erschienen.
 
Gefördert wird dieses Projekt von der STIFTUNG Sparda-Bank (Hannover), der Kirchenmusikstiftung Ziegler (Paderborn) und der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial-Versicherungen (Münster).

Podcast

Der Komponist Jan Kopp gibt Auskunft über (1) die Entstehung und Konzeption des Librettos, (2) die musikalischen Grundstrukturen sowie (3) den übergeordneten Bezug der Komposition.